Das Wiener Kaffeehaus

Das Wiener Kaffeehaus und die dort einzigartig gelebte Kaffeehauskultur ist nicht nur ein Ort der Kommunikation sondern auch ein Ort der Begegnungen. Ganz egal ob für private oder geschäftliche Gespräche ? im Wiener Kaffeehaus kommen die Menschen zusammen.

 

Viele der Wiener Traditionsbetriebe bestehen seit weit über 100 Jahren und legen stets großen Wert auf die Erhaltung des familiären Flairs früherer Zeiten. Dies macht das Wiener Kaffeehaus zu einem Treffpunkt mit Seele und Herz für Jung und Alt. Charakteristisch zeichnet das Wiener Kaffeehaus nicht nur die besondere Atmosphäre sondern auch sein ganz spezielles Ambiente. Holz- oder Plastiktische sucht man im typischen Wiener Kaffeehaus vergebens, denn die Wiener Melange wird ihren Gästen stets auf  klassischen Marmortischen serviert. Logen und Polsterungen der Sitzflächen und die typischen Thonetstühle bieten den Kaffeehausbesuchern besonderen Komfort. Entscheidend für ein typisches Wiener Kaffeehaus sind neben der besonderen Logen vor allem kleine aber wichtige Details, wie der traditionelle Zeitungstisch und die Innenausstattung im Stil des Historismus.

 

Das Kramersche Kaffeehaus am Graben war 1720 das erste Wiener Kaffeehaus das auch Zeitungen auflegte und seine Gäste somit mit Nachrichten aus aller Welt versorgte. Die Geschichte des Wiener Kaffeehauses begann bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts und ist eng mit der Türkenbelagerung verbunden. Von 1803-1813 wurde das Wiener Kaffeehaus durch Napoleons Kontinentalsperre für den Handel mit England auf eine harte Probe gestellt. Der Zoll auf Kaffeebohnen wurde so hoch, dass ihn sich kein Kaffeesieder zu leisten vermochte. Als 1808 Österreich der Handelssperre beitrat, standen die Wiener Kaffeehäuser kurz vor dem Ruin. In dieser durchaus kritischen Zeit wurde den Wiener Kaffeehäusern erstmals gestattet, seinen ausschließlich männlichen Gästen auch Wein und warme Speisen zu servieren ? das Wiener Kaffee-Restaurant war geboren. Weiblichen Gästen öffnete das Wiener Kaffeehaus erstmals 1856 seine Pforten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist das Wiener Kaffeehaus ähnlich wie heute, nicht nur zu einem beliebten Treffpunkt für ein Plauscherl unter Freunden avanciert, sondern gilt ebenso als Ort für Geschäftsgespräche und Verhandlungen. Als Mekka der Kommunikation ist das Wiener Kaffeehaus ein alt bekannter und geliebter Ort dessen Entwicklung seit den 1860er Jahren in imposanten Photobänden bestaunt werden kann. Aus einem Zusammenschluss traditioneller und innovativer Kaffeehäusern Wiens ist 1956 der Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer entstanden. Zu den wichtigsten Aufgaben des erwürdigen Klubs zählen die Vertretung des Klubs und seiner Mitglieder gegenüber den Medien und Interessenten aus der Wirtschaft sowie die Erhaltung und Förderung der Tradition „Wiener Kaffeehauskultur“.

 

Dass die Förderung dieses Kulturgutes immer wichtiger wird, zeigt ein Blick auf unser alltägliches Leben, welches immer schneller und hektischer zu werden scheint. Moderne Schnellrestaurants und Kaffees haben diesen Trend erkannt und bieten ihren Kunden schnelle Befriedigung ? jedoch ohne Tradition und Seele. Argument für diese ist nicht selten der günstige Preis, mit dem traditionell geführte Wiener Kaffeehäuser nicht konkurrieren können und wollen. Auch seitens der Politik werden den Wiener Kaffeehäusern Bürden auferlegt, denn diverse Restriktionen wie das Rauchverbot müssen einfach pauschal hingenommen werden, ohne sie individuell den Bedürfnissen des eigenen Betriebs anpassen zu können. Blickt man auf die lange Geschichte der Wiener Kaffeehäuser zurück, steht ganz außer Frage, dass diese eng mit der österreichischen Geschichte verbunden ist und unser Land ohne sie nicht das selbe wäre.

Wiener Kaffeehauskultur durch UNESCO-Kommission zum immateriellen Landeskulturerbe

 

Mit Freude wurde im Jahr 2011 die Wiener Kaffeehauskultur in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes durch die UNESCO-Kommission aufgenommen.

 

Zum immateriellen Kulturerbe zählen laut UNESCO Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, die Gemeinschaften und Gruppen als Bestandteil ihres Kulturerbes verstehen. Immaterielles Kulturerbe wird von einer Generation an die nächste weitergegeben, fortwährend neu gestaltet und  vermittelt den Gemeinschaften ein Gefühl von Identität und Kontinuität. Die Wiener Kaffeehauskultur ist schon seit sehr langer Zeit eine fixe Größe in der österreichischen Kultur. Blickt man auf die lange Geschichte der Wiener Kaffeehäuser zurück, steht ganz außer Frage, dass diese eng mit der österreichischen Geschichte verbunden ist. Denn das Wiener Kaffeehaus und die dort einzigartig gelebte Kaffeehauskultur war schon immer ein Ort der Kommunikation zu privaten, politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Themen. Viele der Wiener Traditionsbetriebe legen stets großen Wert auf die Erhaltung des traditionellen Flairs früherer Zeiten. Dies mache das Wiener Kaffeehaus zu einem Treffpunkt mit Seele und Herz für Jung und Alt.

Weitere Infos rund um das Wiener Kaffeehaus

 

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