Unverzichtbares und Unentbehrliches

Was macht ein Kaffeehaus aus? Diese Frage ist schwer zu beantworten, einige Dinge sind allerdings im Wiener Kaffeehaus unerlässlich.

 

 

Die Gäste

 

Es ist mehr als naheliegend, die Gäste zu einem der Stützpfeiler des Kaffeehauses zu zählen. Allerdings stellen sie im Wiener Kaffeehaus mehr als nur passive Kunden da - sie sind viel mehr aktive Mitgestalter der typischen lebendigen Kaffeehausathmosphäre. Was wäre ein Kaffeehaus ohne seine Stammgäste, Bridgerunden, Lesezirkel und ohne das leise Gemurmel im Hintergrund oder die mit Interesse mitgehörten lebhaften Diskussionen?

  

Das Glas Wasser

 

Das Glas Wasser gehört zum Kaffeehaus wie das Kaffeehaus zu Wien. Extra bestellen muss man es eigentlich nirgendwo, es wird automatisch am Silbertablett mitserviert.

Über die Gründe dieser traditionellen Union gibt es verschiedene Meinungen: einerseits dient es der Geschnacksneutralisierung nach dem Kaffeegenuß sowie der Entsäuerung von Speiseröhre und Magen. In den "Jugendjahren" des Wiener Kaffeehaus war es allerdings unerlässlich, um sich den Kaffeesud aus den Zahnzwischenräumen zu spülen.

 

Die Kunst

 

Ob Musikbegleitung beim Kaffeetrinken, interessante Ausstellungen oder Lesungen - Kunst und Kultur waren immer ein essentieller Teil des Wiener Kaffeehauses.

Seit vielen Jahren sind Konzertkaffeehäuser ein Fixpunkt am Wiener Kaffeehaushimmel, und es gilt für regelmäßige Kaffeehausbesucher als quasi erwiesen, dass die Melange bei gleichzeitigem Kunstgenuß noch viel besser schmeckt. Doch auch umgekehrt funktioniert die Liasion von Kaffee und Kultur prächtig - nicht erst seit Friedrich Torberg gehören Bücher über das Wiener Kaffeehaus zu den Lieblingen der Hausbibliothek. Und wer kennt nicht das "kleine Café in Hernals"?

 

Der Ober

 

Der Ober ist mehr als nur die Servierkraft des Wiener Kaffeehauses. Weit über die Grenzen Wiens bekannt, stellt ein richtiger Ober einen wichtigen Teil der Seele des Kaffeehauses dar und kennt seine Stammgäste und ihre Wünsche in- und auswendig. Teils berüchtigt für seinen etwas spröden Charme ist er ein Grundpfeiler gelebter Wiener Kaffeehauskultur.

  

Der Schanigarten

 

Ob es nur drei kleine Tische am Gehsteig oder ein wunderschön begrünter und geräumiger abgegrenzter Sitzbereich vor dem Kaffeehaus ist - der Schanigarten hat fürs Wiener Kaffeehaus eine essentielle Bedeutung. Während man im Kaffeehaus "nur" die anderen Gäste beobachten kann, sitzt man vor dem Kaffeehaus mitten im Geschehen und kann noch viel effizienter sehen und gesehen werden und darüber hinaus seinen Kaffee in der Sonne genießen.

Ob der Name allerdings wirklich auf den berühmt gewordenen Spruch "Schani, trag den Gart'n ausse" zurückzuführen ist....diese Frage wird sich wohl nie endgültig klären lassen.

 

Der Zeitungstisch

 

Seit 1720 im Kramerschen Kaffeehaus erstmals Zeitungen aufgelegt wurden, gehört der Zeitungstisch zum fixen Inventar jedes Kaffeehauses. Natürlich nimmt man die Zeitungen nicht einfach so in die Hand - sie sind an einem der typischen Zeitungshalter befestigt, damit man bequemer umblättern kann. Ob man die Zeitungen nach Beendigung der Lektüre an ihren Platz zurückbringt oder am Platz liegenlässt, ist jedem selbst überlassen. Es ist ohnehin sehr wahrscheinlich, dass man von einem anderen Gast angesprochen wird, ob die Zeitung bereits "frei" ist.