Zitate & Ehrbares

o.Univ.-Prof.Dr. DDr.h.c. Anton Zeilinger, Institutsdirektor - Professor of Physics

 

"Ich darf zum Beginn erwähnen, dass für mich das Wiener Kaffeehaus immer eine zentrale Institution dieser Stadt ist. Wenn ich ins Ausland komme, ist das Wiener Kaffeehaus eine der Institutionen neben der Staatsoper, die mir sofort abgehen. Bei meinen zahlreichen wissenschaftlichen Auslandsreisen kann ich immer wieder feststellen, dass auch internationale wissenschaftliche Kollegen, die je in Wien waren, die Institution des Wiener Kaffeehauses besonders schätzen. Es ist dies eine weltweit einmalige Institution.

 

Selbstverständlich ist die historische Bedeutung hervorragend. Ich darf nur darauf verweisen, dass zahlreiche Künstler und Wissenschaftler das Kaffeehaus de facto zu ihrem Arbeitsplatz gewählt haben. Dies gilt besonders von der Jahrhundertwende am Beginn des 20. Jahrhunderts zur Hochblüte der Wissenschaften und Künste in Wien bis heute. Ich selbst führe immer wieder wissenschaftliche Treffen im Kaffeehaus durch, da nur dort die ruhige Atmosphäre für ein ungestörtes Arbeiten mit einigen wenigen Kollegen in kleinem Kreis möglich ist. Ich habe in Wiener Kaffeehäusern sogar schon selbst Seminare mit Studenten veranstaltet.

 

Im Sinne der UNESCO-Bedingungen zählt das Wiener Kaffeehaus sicherlich zu den "Praktiken", die man in Wien als Bestandteil unseres Kulturerbes versteht. Es ist keine Frage, dass das Wiener Kaffeehaus den Wiener, der Wienerin, ein "Gefühl von Identität und Kontinuität" liefert und ein "besonderer Ort menschlicher Kreativität" ist. Ich kann ganz klar bestätigen, auch von wissenschaftlichen Besuchern, die nach Wien kommen, dass das Kaffeehaus auch für diejenigen, die es kennenlernen - und ich persönlich führe alle Besucher in das Wiener Kaffeehaus ein - sehr bald eine zentrale Stelle für ihre kulturellen Erfahrungen in Wien wird, sehr oft, wie erwähnt, auch ein Arbeitsplatz.

 

Für meine eigene Person erlaube ich mir, mitzuteilen, dass das Wiener Kaffeehaus einer der Gründe war, warum ich mich bemüht habe, nach langen Auslandsaufenthalten wieder beruflich in Wien an der Universität und der Akademie der Wissenschaften tätig zu sein. Es gibt wohl wenige Institutionen, die so sehr die Wiener und Österreichische Mentalität widerspiegeln wie das Wiener Kaffeehaus."

Gregor Eichiger, Künstler & Architekt

 

„Die Suche nach den adäquaten Formen von Öffentlichkeit ist für jede Gesellschaft eine Frage nach ihrer eigenen grundlegenden Verfassung. Sie manifestiert sich in spezifischen, für eine bestimmte Zeit bestimmenden Gebäudetypen und nimmt in deren räumlichen Möglichkeiten direkten Einfluss auf die Lebensweise. Die gegenwärtige Verengung unseres Repertoires von öffentlichen Räumen auf entweder Shopping Malls oder Touristenattraktionen, auf Einkaufen oder den Konsum vorgefertigter Bilder lässt uns das höchst ausdifferenzierte System von Öffentlichkeiten vermissen, das die bürgerliche Lebenskultur in den Städten der westlichen Weit entfaltete. .... Architekten suchen im Augenblick nach neuen Räumen, die einem selbst gehören und auch anderen, zur gleichen Zeit; nach Räumen, die uns das Gefühl geben, dass wir in Gesellschaft auf höchst angenehme Weise allein sein können und zwar durch unsere eigene Entscheidung. Alles ist dabei von einem Protokoll geregelt, das leicht zu erlernen ist, für dessen Feinheiten jedoch die Erfahrung nötig ist, die einen Einheimischen von einem Touristen unterscheidet. Das Wiener Kaffeehaus ist eine Institution, die es einem erlaubt, in der Öffentlichkeit zuhause zu sein. Es war und ist zurechtgeschneidert auf jeden, so wie ein Maßschuh, der allen passt. Diese paradox anmutende Vermittlung von Individualität und Allgemeinheit ist das Besondere in Wien. Die Vermittlung von Verschiedenheit ist die historische Aufgabe der neuzeitlichen Stadt und das Kaffehaus in seiner Wiener Ausprägung ist sozusagen ihr öffentliches Zentrum.“

Norbert Kettner, Tourismusdirektor

 

"Die Wiener Kaffeehauskultur ist weltweit bekannt und eine bedeutende Attraktion unserer Stadt. Dies belegt eine 2009 durchgeführte Befragung von 11 .000 Städtereisenden (mit und ohne persönlicher Wien-Erfahrung) in neun von Wiens touristischen Hauptherkunftsländern: Daraus gingen fünf 11Markenbausteine11 als zentrale Bestandteile der Destinationsmarke Wien hervor. Einer davon ist die Kultur des Genusses mit der am häufigsten das Wiener Kaffeehaus assoziiert wurde. Dessen touristische Relevanz zeigt auch unsere Gästebefragung: Gefragt nach Aktivitäten während des Wien Aufenthalts (Mehrfachantworten möglich), geben 88 % der Gäste den Kaffeehaus-Besuch an, der damit die zweithäufigste Aktivität ist, überrundet nur vom Essen im Restaurant (93 %), aber noch vor dem Besuch von Sehenswürdigkeiten (82 %) gelegen. Wiens Kaffeehäuser und seine Kaffeehauskultur eignen sich auch als starkes Differenzierungsmerkmal gegenüber anderen Städten und schärfen die Positionierung Wiens im Wettbewerbsumfeld; entsprechend intensiv werden sie im touristischen Destinationsmarketing eingesetzt. Für Wiens Stadtbewohnerinnen ist die Kaffeehauskultur ein fixer Bestandteil der Alltagskultur und des Lebensstils. Sie nutzen die Kaffeehäuser in einer Intensität, wie man sie anderenorts nicht vorfindet - nicht nur als Orte der Entspannung, sondern häufig auch zum Arbeiten. So führen sie die Wiener Kaffeehaus-Tradition fort, weil sie diese ständig mit neuem Leben erfüllen und ihr dadurch stets aufs Neue aktuelle Bedeutung verleihen.

Unter mehr als 2.000 Kaffeehäusern aller Art - wie Café- Bars, Café-Restaurants und Steh-Cafés- bietet Wien rund 800 klassische Kaffeehäuser, darunter rund 150 Traditionscafés mit historischer Einrichtung und Personal, das die Gäste im klassischen Schwarz-Weiß-Outfit bedient."

Jeannettee Skrebensky-Meinl, Julius Meinl Austria 

 

"Der Dialog der Kulturen und das Zusammentreffen von Menschen ist nicht nur ein Hauptanliegen der UNESCO. Im gleichen Ausmaß spielen die Wiener Kaffeehäuser schon seit dem 17. Jahrhundert eine bedeutende Rolle im Leben der Menschen. Im Mittelpunkt steht schon seit einst die Begegnung der Menschen an einem Ort der Kommunikation. Die daraus resultierende Begegnung an Inspiration hat sich über die Jahre zu einer gelebten Kultur entwickelt. Als international agierendes Unternehmen wissen wir, dass die Besucher der Wiener Kaffeehauskultur auch aus den entferntesten Ländern anreisen, um Teil dieser Geschichte zu werden und um an dem weiteren Verlauf mit menschlicher Kreativität kontinuierlich mitzuwirken.

 

Österreich hat eine Kaffeequalität zu bieten, die weltweit ihresgleichen sucht. Die Wiener Kaffehauskultur versucht man daher in vielen Ländern zu kopieren. Das Original findet man aber ausschließlich bei uns. Um dieses Original zu schützen empfehle ich die Aufnahme der "Wiener Kaffeehauskultur" in das immaterielle Kulturerbe Österreichs."

"Sie haben's gut, Sie können im Kaffeehaus sitzen.", 
sagte einst schon Kaiser Franz Joseph.

 

Dies ist nur eines von vielen Zitaten, das zeigt, dass das Wiener Kaffeehaus untrennbar mit der Geschichte und Mentalität Wiens und der Wiener verbunden ist. Wo kann man besser als in dieser unverwechselbaren Atmosphäre seinen Gedanken nachhängen, angeregte Diskussionen über Gott und die Welt führen, soziologische Beobachtungen anstellen und natürlich dem Kaffeegenuß nachgehen? Nach wie vor ist das Kaffeehaus Treffpunkt und Kommunikationszentrum sowie eine Oase der Entspannung inmitten des hektischen Stadtlebens. Es ist mit Worten schwer zu beschreiben, was den melancholischen Charme der Wiener Kaffeehäuser und ihre generationen- und herkunftsübergreifende Anziehungskraft ausmacht. In den Herzen der Wiener und seiner Freunde in aller Welt hat sich das Wiener Kaffeehaus mit seiner Lebensqualität und seinem Stück liebgewonnener Tradition jedenfalls mit Sicherheit einen festen Platz erobert.

Im Kaffeehaus...

 

Im Wiener Kaffeehaus kann man nach wie vor und - in immer neuen Variationen - frühstücken, zu Mittag fünfgängig speisen oder nur einen Imbiss nehmen, eine Jause zelebrieren, den kleinen Hunger im Vorübergehen stillen und die Nacht zum Tag machen.  Im Wiener Kaffeehaus kann man nach wie vor Zeitung lesen und jetzt auch im Internet surfen. Im Wiener Kaffeehaus unterhält man sich und wird unterhalten.

Dazu gesellt sich die Verweildauer - die ist dehnbar. Stunden messen sich dann häufig nur noch an der „Nachreiche“. Dem berühmten Glas Wasser, das, streng nach Tradition, jede halbe Stunde erneuert werden sollte. Für den Minuten-Besuch bietet sich der „überstürzte Neumann“ an - über kaltes Schlagobers in einer Kaffeeschale wird heißer Doppel-Mokka gegossen. Der Kaffee kann sofort getrunken werden. Womit das ureigenste Thema des Kaffeehauses, der Genuss von Kaffee, angesprochen ist. Mehr als 50 verschiedene Zubereitungsarten (Namen) haben die Wiener Kaffeesieder im Laufe der Zeit erfunden. Ihrer Kundschaft fordern sie daher eine entsprechend exakte Bezeichnung ab. „Kaffee ja, aber welchen?“ Von überschwappenden Modewellen haben sie sich noch nie aus der Ruhe bringen lassen. Und es zusätzlich verstanden, trotzdem das Wienerische in den Vordergrund zu stellen. „Caffè Macchiato? - Haben wir doch längst in unserem Repertoire. Ein kleiner Mokka mit Milchschaum. Bitte schön, bitte gleich!“